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Biodiversität beginnt vor der Haustür - Ungestört-nisten.de

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:: Einleitung
Seit Jahrzehnten ist die Insektenmasse massiv zurückgegangen, und mit ihr verschwinden zahlreiche Vogelbestände in erschreckendem Tempo. Doch der Verlust betrifft die gesamte biologische Vielfalt. Insekten, Vögel, Amphibien, Säugetiere, Pflanzen, Pilze und unzählige andere Organismen geraten zunehmend unter Druck. Gärten, Landschaften, Firmengelände und öffentliche Grünflächen sind vielerorts ökologisch leer gefegt. Kurzgeschorener Rasen, Schotterwüsten, ausgeräumte Felder und exotische oder invasive Zierpflanzen bieten nur wenigen Arten Nahrung und Lebensraum.

Dabei kann jeder etwas bewirken und seine Umwelt gestalten, im Großen wie im Kleinen. Heimische Wildblumen auf dem Fensterbrett, naturnahe Ecken im Garten, begrünte Flächen am Arbeitsplatz, Teiche, Totholz oder strukturreiche Hecken schaffen wertvolle Lebensräume. Auch das Engagement in Naturschutzprojekten trägt dazu bei, der Natur wieder mehr Raum zu geben. Nach dem Motto „Denke global, handle lokal“ können aus vielen kleinen Maßnahmen wertvolle Trittsteine entstehen, die sich zu einem großen Netzwerk verknüpfen und die Biodiversität fördern.

Denn Natur braucht Vielfalt, Struktur und Raum zur Entfaltung. Was für uns vielleicht unaufgeräumt aussieht, kann für Tiere und Pflanzen überlebenswichtig sein. „Ungestört-nisten.de“ lädt dazu ein, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten: Bietet ein Bereich Nahrung, Wasser, Schutz und geeignete Rückzugsorte für seine tierischen Bewohner? Und wie lässt er sich mit gezielten Maßnahmen in einen wertvollen Lebensraum verwandeln, der die Biodiversität fördert und selbst im urbanen Raum kleine Oasen für das Leben schafft?

Diese Website möchte neugierig machen, Zusammenhänge verständlich vermitteln und zeigen, wie jeder einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten kann. Dazu gehören auch Podcasts, die Inhalte aus Hunderten von Quellen rund um Biodiversität, Naturschutz und ungewöhnliche Perspektiven jenseits ausgetretener Denkpfade aufgreifen und miteinander verknüpfen. Sie sollen Wissen zugänglich machen, neue Denkanstöße geben und dazu ermutigen, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen.

Dabei geht es nicht darum, alles ungeprüft zu glauben. Vielmehr soll dazu angeregt werden, Informationen selbst nachzuschlagen, Quellen kritisch zu hinterfragen und Aussagen im jeweiligen Zusammenhang einzuordnen. Neugier, kritisches Denken und die Bereitschaft, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen, sind wichtige Voraussetzungen, um die Welt besser zu verstehen und zu gestalten.

Biodiversität beginnt nicht nur irgendwo weit entfernt im wilden Amazonas, sondern direkt vor der eigenen Haustüre.

Viel Spaß beim Entdecken!
:: Die Krefelder Studie
Die Krefelder Studie aus dem Jahr 2017 hat weltweit Aufsehen erregt. Sie zeigte einen starken Rückgang der Insektenbiomasse in deutschen Naturschutzgebieten. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zu Ergebnissen, Ursachen und aktuellen Entwicklungen (Stand: Februar 2026). Dieser Artikel basiert auf der Originalpublikation und neueren Folgestudien.

Was ist die Krefelder Studie?

Die Krefelder Studie mit dem Titel "More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas" wurde 2017 in PLOS ONE veröffentlicht. Sie entstand durch den Entomologischen Verein Krefeld und die Radboud University Nijmegen. Über 27 Jahre hinweg (1989–2016) wurden Daten aus 63 Naturschutzgebieten gesammelt. Gemessen wurde die Biomasse flugaktiver Insekten, also ihr Gesamtgewicht.

Welche Hauptergebnisse hat die Studie ergeben?

Die Studie zeigte einen Rückgang der Insektenbiomasse von 76,7 % über die gesamte Saison und bis zu 82 % im Hochsommer. Die jährliche Abnahme lag bei etwa 6,1 %. Insgesamt wurden 53,54 kg Insektenbiomasse gesammelt, was Millionen Individuen entspricht. Der Rückgang trat unabhängig vom Landschaftstyp auf und weist auf großflächige Ursachen hin.

Was sind die Ursachen für den Insektenrückgang?

Die Studie nennt keine einzelne Ursache, sondern beschreibt eine Kombination aus intensiver Landwirtschaft, Pestiziden, Habitatverlust, Urbanisierung, Klimawandel und Lichtverschmutzung. Neue Analysen zeigen zusätzlich die Bedeutung von Wetterextremen.

In Grasland‑Ökosystemen gehen über 90 % des Biomasseverlusts auf Artenverluste zurück, verstärkt durch hohe Landnutzungsintensität und geringe Pflanzendiversität.

Was bedeutet der Insektenrückgang?

Insekten sind wichtig für Bestäubung, Nahrungsketten und Bodenfruchtbarkeit. Ihr Rückgang gefährdet Biodiversität, Landwirtschaft und ganze Ökosysteme. Wenn solche Systeme instabil werden oder zusammenbrechen, steigt auch das Risiko für Menschen etwa durch geringere Ernten, weniger sauberes Wasser und das Ausfallen natürlicher Prozesse, auf die wir täglich angewiesen sind. Besonders betroffen sind Tiere, die stark von Insekten leben, wie viele Vogelarten. Sie finden weniger Futter für sich und ihren Nachwuchs.



Modellierte relative Biomasse in Dreijahresschritten, ausgehend von 100% im Jahr 1989. Die Werte beruhen auf dem in Hallmann et al. geschätzten jährlichen Rückgang von 6,1% und zeigen daher eine exponentielle Entwicklung. Daraus ergibt sich für 2016 eine verbleibende Biomasse von rund 18%, entsprechend einem Rückgang von etwa 82%. Dieser Wert entspricht näherungsweise der für den Hochsommer geschätzten Abnahme. Für den saisonal gewichteten Zeitraum von April bis Oktober ergab die Studie einen Rückgang von rund 76,7%

Quelle: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809







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